Jüdischer Friedhof Große Hamburger Straße

Die nach dem Aufnahmeedikt des Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm) vom 21. Mai 1671 gegründete Jüdische Gemeinde zu Berlin legte im Rosenthaler Viertel vor dem Spandauer Tor, an der Großen Hamburger Straße 26, nahe der Oranienburger Straße, einen Begräbnisplatz an. Es ist heute der älteste Friedhof der Innenstadt, der als solcher wieder erkennbar ist. Eine Granittafel an der südlichen Umfassungsmauer zur Oranienburger Straße, wo sich ursprünglich der Eingang befand, gibt darüber Auskunft, dass hier im Jahre 1672 als erster der verstorbene Gumpericht Jechiel Aschkenasi zu Grabe getragen wurde.

Bis 1827 fanden auf dem nur 0,59 Hektar großen Friedhof etwa 12.000 Verstorbene ihre letzte Ruhestätte. Sie waren nicht nur Mitglieder der Berliner Jüdischen Gemeinde, sondern auch der Gemeinden von Spandau, Nauen, Kremmen, Zehdenick und Oranienburg. Die bekannteste hier bestattete Persönlichkeit ist der Philosoph Moses Mendelssohn (1729-1786), dessen Grabstein viermal erneuert werden musste, zuletzt 1990. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts waren auf dem Friedhof noch etwa 2.800 Grabstätten zu finden, darunter die von Veitel Heine Ephraim (1703-1775), Juwelier, Münzunternehmer und Hofbankier Friedrichs des Großen, und von Jacob Herz Beer (1769-1825), der Vater von Giacomo Meyerbeer.

Die rücksichtslose Zerstörung und Schändung der Anlage fand 1943/44 auf Befehl der Gestapo statt: Quer durch die Begräbnisstätte wurde ein Splittergraben gezogen und mit historischen Grabsteinen abgesteift, die Gebeine der Toten hinausgeworfen.

Zu DDR-Zeiten war der Friedhof als Park genutzt und die erhalten gebliebenen wenigen Grabmale, die in die Mauer eines angrenzenden Hauses eingelassen waren, wurden 1988 auf den Friedhof nach Weißensee verbracht. Zur Erinnerung an die tragischen Geschehnisse verblieben vor Ort ein symbolisches Grabmal für Moses Mendelssohn und ein Sarkophag aus zerstörten Grabsteinen.

Seit der 2007/2008 durchgeführten denkmalpflegerischen Gestaltung ist das Gelände an der Großen Hamburger Straße wieder als Begräbnisstätte zu erkennen. Im Dezember 2009 fanden die Arbeiten mit der Wiederaufstellung der historischen originalen Grabsteine ihren Abschluss, die sich auf dem Friedhof Weißensee befanden, unter ihnen auch das Grabmal des 1672 beigesetzten Gumpericht Jechiel Aschkenasi.