Jüdischer Friedhof Schönhauser Allee

Entsprechend einer Verfügung der Königlichen Regierung von 1817, die neue Friedhöfe innerhalb der Stadtmauern untersagte, hatte die Jüdische Gemeinde Berlin vor dem Schönhauser Tor 1824-1827 einen neuen, rund 5 Hektar großen, streng geometrisch gestalteten Begräbnisplatz durch den Berliner Stadtbaurat Friedrich Wilhelm Langerhans (1780-1851) anlegen lassen. Anstelle der bescheideneren klassizistischen Bauten von Langerhans entstanden um 1895 links vom Haupteingang an der Schönhauser Allee die Trauerhalle, ein vom Gemeindebaumeister Johann Hoeniger (1850-1913) entworfener neoromanischer Backsteinbau, sowie die Leichenhalle und Nebengebäude.

Die Einweihung des Friedhofs fand am 29. Juni 1827 mit der ersten Beisetzung statt. In den folgenden Jahrzehnten wurden auf dem Friedhof über 20.000 Gräber und 700 Erbbegräbnisse angelegt. Neben der traditionellen Grabmalform der meist schlichten Grabstelen finden sich auf dem Friedhof an der Schönhauser Allee nun auch prunkvoller gestaltete Familiengrabstätten.

Die Liste berühmter Berliner Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof beigesetzt wurden, liest sich wie ein Auszug aus dem Who‘s Who des 19. Jahrhunderts. Darunter sind Geistes- und Naturwissenschaftler, Künstler, Politiker, Verleger, Wirtschaftsunternehmer und Gründer von Sozialeinrichtungen. Stellvertretend für viele seien erwähnt: der Mitbegründer der modernen Wissenschaft des Judentums Leopold Zunz (1794-1886), der Komponist Giacomo Meyerbeer (1791-1864) und der Maler Max Liebermann (1847-1935), der Berliner Stadtrat David Friedländer (1750-1834), der Verleger Leopold Ullstein (1826-1899), der Bankier Gerson v. Bleichröder (1822-1893), der Stifter des II. Altenheims der Jüdischen Gemeinde Moritz Manheimer (1826-1916).

Die Schließung des Friedhofs erfolgte 1880 mit Eröffnung des neuen großen Friedhofs in Weißensee. Danach gab es Beisetzungen auf dem Friedhof Schönhauser Allee nur noch in den vorhandenen Familiengrabstätten; die letzte in den 1970er Jahren.

Bombentreffer während des Zweiten Weltkrieges zerstörten fast alle Friedhofsgebäude und verwüsteten viele Grabfelder. Vom einstigen Hauptportal sind heute nur noch der rechte rundbogige Seiteneingang und die Doppelgitter der Mitteleinfahrt erhalten. Im Eingangsbereich erinnern seit den 1970er Jahren Gedenktafeln mahnend an das Schicksal des Friedhofs. Anstelle der zerstörten Feierhalle wurde 2005 ein Lapidarium eingeweiht, in dem 60 Grabsteine, deren ursprüngliche Standorte schwer feststellbar waren, zu finden sind, ebenso Schautafeln zur jüdischen Friedhofskultur und jüdischen Trauerritualen.